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Über die Schulter geschaut: Social-Media-Berater Leander Wattig
Der Spezialist für die weite Welt des Social Web

Geld verdienen: Das muss Hauptziel der Verlage sein, die sich in den Social Media tummeln (wollen), wie Berater Leander Wattig http://leanderwattig.de in Vorträgen und Workshops gerne mahnt: „Verlage sind Unternehmen und haben als solche einen Auftrag zu erfüllen: Gewinnerzielung!“ Und dafür sind Social Media ein immer stärker an Bedeutung gewinnendes Werkzeug, ist der 29-jährige Berater überzeugt. Es gehe nicht mehr nur darum, eine schöne Website zu haben: „Für die interessiert sich erstmal niemand; die Angebote müssen dahin transportiert werden, wo sich die Kunden ohnehin schon aufhalten.“ Also ab ins Social Web! Das hat allerdings eine vernetzte Struktur, die schwer zu überschauen und durchdringen ist.

Marketing im Wandel

Wattig sieht Facebook und Co. als nur einen Aspekt eines viel grundlegenderen Wandels: „Letztendlich wird alles ‚social’. Dann spricht niemand mehr über Social Media Marketing, sondern nur noch über Marketing.“ Diese noch neue Entwicklung bringt viele Veränderungen für Marketingbudgets, Jobbeschreibungen und den Alltag in Verlagen mit sich: Die bisher bewährte Gleichung der Werbewirtschaft „Investiere x, dann werden y Menschen deiner Zielgruppe erreicht“ gilt nicht mehr. Stattdessen ist Fingerspitzengefühl gefragt, denn in die virtuellen Knotenpunkte kommt man nicht mit Druck – und auch nicht automatisch mit hohen Werbeetats, die sich ohnehin nur große Verlage leisten können. Und in der Tat mischen in Wattigs Ranking der Verlage http://wasmitbuechern.de/index.php/tag/ranking/ nach Fanzahlen auf Facebook kleine Unternehmen ganz oben mit, zum Beispiel der Ankerherz Verlag.

Der Zielgruppe zuhören

Wie man am besten an Social Media herangeht, erklärte Wattig 2011 in einem Vortrag auf der Leipziger Buchmesse: Mit einem klaren Ziel vor Augen, und doch mit einem gewissen Freiraum für Experimente. „Denn Vieles ist ja gerade erst im Entstehen und muss erkundet werden.“ Zahlreiche Verlage agierten stattdessen weitgehend planlos. „Das ist normal, wenn sich neue Trends entwickeln, aber jetzt müssen wir den nächsten Schritt gehen“, fordert Wattig.
Vor beeindruckenden Mengen von Fans, Followern, Freunden etc. steht die gute Vorbereitung, die für Wattig mit dem Zuhören beginnt: „Dazu sollten die passenden Schlagworte identifiziert werden. Bei kostenlosen Suchmaschinen kann man nach relevanten Begriffen suchen und die Ergebnisse abonnieren.“ Viele Dienstleister übernehmen auch die Suche und Auswertung der Daten.

In kleinen Schritten

Ist Ziel und Herangehensweise geklärt, heißt das Motto: Durchhaltevermögen und Geduld. Grundsätzlich gilt: Von 100 Fans ist gerade mal einer richtig aktiv, 90 bleiben passiv und der Rest meldet sich hin und wieder zu Wort. Dieses 90-9-1-Prinzip gilt nicht nur für Communities, sondern für viele Bereiche des (Berufs)Lebens. Also nicht entmutigen lassen, wenn die Seite nicht von Anfang an lebendig ist. Die Freude an – wenn auch langsamem – organischem und nachhaltigem Wachstum ist langfristig größer als an etwa mit Gewinnspielen kurzfristig hochgepushten Fanzahlen.
Wer klein anfängt, erkennt auch kleine Erfolge sehr gut und kann seine Aktivitäten schon optimieren, noch bevor sehr viele Ressourcen investiert wurden. Daher rät Wattig: „Werden Sie zu Beginn nicht auf zu vielen Feldern aktiv und überfordern Sie nicht Ihre eigenen Ressourcen und Fähigkeiten.“

Fingerspitzengefühl statt Werbedruck

Aber wie macht man sich im Social Web bekannt, wenn es mit Druck allein nicht geht? Zwei interessante Praxis-Beispiele, die Wattig in seiner dreijährigen Selbstständigkeit – er tat den Schritt gleich nach dem Studium – kennen gelernt hat: Der Berliner Verlag Kauperts hat für das Knacken der 5000-Fans-Marke auf Facebook eine Currywurstiade für alle in Berlin angekündigt. Die Buchhandlung Buch & Bohne gibt dem Mayor der Buchhandlung auf Foursquare kostenlosen Kaffee aus, also demjenigen, der auf der Plattform Foursquare am häufigsten seinen Aufenthalt bei Buch & Bohne mitgeteilt hat.
Natürlich ist es mit solchen Aktionen nicht getan: Man muss mit den Fans ins Gespräch kommen. Aber jedes zehnte Unternehmen reagiert laut einer Umfrage nicht auf Postings der Nutzer. Das verrät viel über die Wertschätzung für den Endkunden. Außerdem sollte, wer für ein Unternehmen spricht, dieses und seine Themen gut kennen. Wattig rät daher davon ab, externen Beratern oder Praktikanten die Social-Media-Präsenzen anzuvertrauen: „Gut finde ich das Vorgehen von Verlagen wie Rowohlt, die sich erst dann mit Nachdruck im Social Web engagieren, wenn sie einen Plan haben, und zudem Mitarbeiter eigens dafür einstellen, um das notwendige Know-how intern aufzubauen.“

Themenseiten oder Verlagsseite?

Eine starke Verlagsfanpage auf Facebook ist für den Kontakt zu Journalisten, Buchhändlern oder Branchenmitgliedern zwar sehr nützlich, die Leser, die sich für einzelne Genres oder Themen interessieren, erreicht man so aber nur schwer. Gerade Verlage mit breitem Programm sollten eher auf Themenseiten setzen, wie die Mitstrickzentrale des frechverlags. http://www.facebook.com/Mitstrickzentrale Auch hier war der erste Schritt zuzuhören: Was interessiert und ist noch nicht so breit auf Facebook vertreten? Johannes Quirin, Leiter der Online-Aktivitäten, setzte ein Thema mit Potenzial mit Hilfe einer Agentur um. Die Rechnung ging auf: Wenige Monate nach Start der Seite haben die Fans über 1.700 Fotos von Selbstgestricktem hochgeladen. „Clever gemacht und mit dem Schuss Ironie, der Internetnutzer anspricht“, fasst Wattig zusammen. Weitere Best-Practice-Beispiele für erfolgreiche Marketing-Maßnahmen im Social Web sammelt Wattig zusammen mit Berater Carsten Raimann für den Virenschleuder-Preis, http://virenschleuderpreis.de/ der im Mai 2011 verliehen wird und schon jetzt eine Fundgrube für inspirierende Ideen ist.

Der Mix aus Privatleben und Job

Die Arbeit mit Social Media ist für Wattig nicht zuletzt auch ein persönlicher Gewinn: „Die schönsten Momente sind solche, in denen ich merke, dass etwas zurück kommt, dass also durch meine Tätigkeit Vertrauen und Hilfsbereitschaft entstanden sind.“ Natürlich gibt es auch ab und zu Querulanten und Nörgler: „Die beste Gegenwehr ist hier eine durch die eigene ‚Community’. Wenn man in solchen Momenten merkt, dass man für sich allein sprechen muss, weil es sonst keiner tut, hat man ein grundsätzliches Problem.“
Für Wattig überwiegen jedoch die positiven Erlebnisse: So fand er über drei Facebook-Ecken eine Wohnung in Frankfurt am Main, wohin er von Leipzig im April 2011 umgezogen ist. „Ganz ähnlich erging es mir schon 2009, als ich über Twitter eine Unterkunft zur Frankfurter Buchmesse gefunden habe“, erinnert er sich. Solche Erfahrungen macht wohl fast jeder, der im Social Web unterwegs ist. So vermischen sich – wie bei Offline-Netzwerken auch – Privates und Berufliches. „Im Prinzip kommuniziere ich auf meinen Internet-Plattformen und im Rahmen meiner Beratungstätigkeit genauso, wie ich das auch privat tue.“ So sind auch seine Wertvorstellungen hier wie dort die gleichen: „Ich finde es nicht sinnvoll, Wertvorstellungen zu unterdrücken, nur weil man Geld verdienen möchte.“

Leander Wattig als Berater

Mittlerweile ist Wattig seit über drei Jahren selbstständig und hat dabei viel Projekterfahrung in führenden Verlags- und anderen Medienhäusern gesammelt. „Über die meinem Eindruck nach gar nicht so viele Akteure im gleichen Maße verfügen“, sagt er, „Ich hätte mich jedoch auch nicht gleich nach dem Studium selbstständig gemacht, wenn es nicht mit dem Internet neu entstehende Themenfelder gäbe, auf denen alle quasi von vorn anfangen müssen.“
Sein Leistungsangebot http://leanderwattig.de/index.php/beratung/ umfasst unter anderem Markt-Analysen, Mitarbeiter-Befragungen, Konzept-Erstellung und -Bewertungen sowie Themen-Workshops und Inhouse-Vorträge. Kenntnisse zum weiten Themenfeld des Marketing im Social Web vermittelt er zudem regelmäßig in öffentlichen Vorträgen, Seminaren und Lehraufträgen. Für eigene Projekte wie die Buchbranchen-Vernetzungsinitiative „Ich mach was mit Büchern“ http://wasmitbuechern.de/ , die „Buchbranchen-Jobbörse“ http://wasmitbuechern.de/jobs/ und den „Virenschleuder-Preis“. http://virenschleuderpreis.de/ setzt er dieses Wissen selbst ein.

Kontaktdaten:
Leander Wattig
Berater und Blogger: Marketing im Social Web

mailto:email@leanderwattig.de

Website: http://leanderwattig.de
Facebook: http://www.facebook.com/lwattig
Twitter: http://twitter.com/leanderwattig
Xing: http://www.xing.com/profile/Leander_Wattig
LinkedIn: http://www.linkedin.com/in/leanderwattig

Die Autorin des Artikels, Friederike Saskia Heinen (auf Twitter @saskiaheinen, unter vollem Namen auf Facebook und Xing) ist Texterin und Buchhändlerin und lebt in Pliezhausen am Rande der Schwäbischen Alb. Ihre Schwerpunkte sind Marketingtexte, Newsletter, Buchhandelsgeschichte und ihre Studienfächer Archäologie und Geschichte.




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